Kfz-Aktionstag der IG Metall

Bundesweite Warnstreiks und Demos vor Autohäusern

Juni 2017 Ι Tausende Beschäftigte aus Autohäusern und Kfz-Werkstätten legten bundesweit die Arbeit nieder und demonstrierten. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld im Kfz-Handwerk. Zudem will sie erreichen, dass wieder mehr Kfz-Betriebe an Tarifverträge gebunden sind und Tariflöhne zahlen.

Aus Sicht der Beschäftigten ist es höchste Zeit für ordentliche Tariferhöhungen. „Die Bude brummt. Die Arbeit wird immer mehr, die Anforderungen steigen, durch eine immer größere Produktpalette, Digitalisierung und E-Mobilität. Wir müssen immer mehr neben der Arbeit dazulernen, aber bei uns kommt wenig an“, kritisiert ein rund 30-jähriger Kfz-Mechatroniker von Mercedes. „Dadurch sinkt auch die Motivation. Denn gute Bezahlung bedeutet auch Wertschätzung, und die spüren wir einfach immer weniger.“

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Mehr Betriebe in die Tarifbindung

Neben fünf Prozent mehr Geld wollen die Kfz-Beschäftigten und die IG Metall auch erreichen, dass endlich wieder mehr Betriebe überhaupt Tariflöhne zahlen. Ein Großteil der Kfz-Innungen, die ja laut der Handwerksordnung für Tarifverträge zuständig sind, hat sich aus ihrer Verantwortung für Tarife gestohlen. Immer mehr Kfz-Arbeitgeber haben sich in den letzten Jahren aus der Tarifbindung verabschiedet und zahlen weniger. Das ist aus Sicht der tarifgebundenen Beschäftigten unfair und eine große Wettbewerbsverzerrung. Deshalb kommen sie bei ihrer Demonstration in Hannover auch bei Kfz-Betrieben ohne Tarifbindung vorbei. Etwa beim Autohaus Kamps, das Bentleys und Maseratis verkauft und repariert. Ein gebrauchter Bentley steht zum Verkauf auf dem Hof – für 167 000 Euro. Noble Autos, stolze Preise – aber kein Tarif. Sie haben nur vier statt sechs Wochen Urlaub, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld, keine Zuschläge für Mehrarbeit oder Samstag. „Das wissen wir von Serviceleuten, die wir privat kennen. Und von Beschäftigten, die sich bei uns bewerben, weil sie bei uns deutlich mehr verdienen“, erzählt Torsten Essig, Betriebsratsvorsitzender der Mercedes-Niederlassung. „Da brauchen die sich nicht wundern, wenn sie keine Fachkräfte und keinen Nachwuchs mehr finden.“

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