#Vollgas für Tarifverträge – KIA Motors tritt Tarifgemeinschaft des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes bei

Ein Interview mit Renate Koopmann, Betriebsrätin bei der KIA Motors Deutschland GmbH

IG Metall: Liebe Renate, KIA ist jetzt der Tarifgemeinschaft des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes e.V. beigetreten. Was bedeutet das für Dich und deine Kolleginnen und Kollegen konkret?

Renate: Als die Tarifverträge von der Kfz-Innung im letzten Jahr so überraschend gekündigt wurde und plötzlich hier bei Kia Motors eine fehlende Tarifbindung drohte, war das schon ein großer Schrecken. Kia Motors hat sich stets freiwillig an die Konditionen der Tarifverträge der IG Metall für das KFZ-Handwerk angelehnt, bezahlt Tarifgehälter, gewährt 30 Tage Urlaub im Jahr und zahlt Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Auf den ersten Blick macht es also keinen Unterschied, ob eine Tarifbindung besteht oder nicht. Eine genaue Prüfung der im Unternehmen verwendeten Arbeitsverträge hat jedoch ergeben, dass die dort genannten einzelvertraglichen Regelungen manches Mal schwammig ausgedrückt und/oder die Formulierungen rechtsunsicher waren.

Kia Motors Deutschland GmbH ist eine Tochtergesellschaft eines koreanischen Automobilherstellers. Bei uns ist es üblich, dass die Geschäftsleitung und in deren Folge auch ein Teil des Managements durchschnittlich im 2-Jahresrythmus wechselt. Mündliche Zusagen oder Vereinbarungen sind da nicht sehr viel wert. Daher bedeutet die Tarifbindung des Arbeitgebers für mich und meine Kolleginnen und Kollegen vor allem Rechtssicherheit. Erst jetzt besteht ein tatsächlicher Anspruch des einzelnen Arbeitnehmers auf grundlegende Arbeitsbedingungen.

IG Metall: Wie habt Ihr es geschafft, den Arbeitgeber davon zu überzeugen, in die Tarifgemeinschaft einzutreten und den Flächentarifvertrag anzuwenden?

Renate: Der Betriebsrat hat sehr früh den Kontakt zur IG Metall gesucht und wurde von der Geschäftsstelle Frankfurt super beraten und unterstützt. Erstmals seit Jahren hatten wir die Gewerkschaft zu einer Betriebsversammlung eingeladen, um die Beschäftigten sachkundig über die Situation zu informieren. Dies hatte zur Folge, dass binnen weniger Wochen die tariflich eingestellten Mitarbeiter bei Kia Motors mehrheitlich der IG Metall beitraten. Der Betriebsrat hat von Beginn an sehr deutlich gemacht, dass eine Tarifbindung aus seiner Sicht unverzichtbar ist. Das Angebot des Arbeitgebers einer freiwilligen Anlehnung an Tarifverträge hielten wir für nicht ausreichend und inakzeptabel.

Fortan pochten wir sehr pingelig auf unsere Informations-, Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte und forderten diese ggf. auch gerichtlich ein. Dabei war es egal, ob es um Arbeitsbedingungen wie Wochenarbeitszeit oder Überstunden ging oder um Dienstwagen, Parkplätze, Umstrukturierungen, Datenschutz… Der Betriebsrat wurde quasi von einem Tag zum anderen extrem unbequem für den Arbeitgeber. Wir hatten sehr schnell die Kollegen und Kolleginnen hinter uns und auf unserer Seite. Dies war letztendlich wohl ausschlaggebend für den Arbeitgeber, seine Haltung zu überdenken und schließlich dem Beitritt zur Tarifgemeinschaft zuzustimmen.

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